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2 – 7 – 25 (Beierlein)

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JOHANN PETER
BEIERLEIN
WEINHÄNDLER UND
NUMISMATIKER
1802 – 1878

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Johann Peter Beierlein

* 21.12.1802 (Landshut)
† 13.8.1878 (München)
Weinhändler und Magistratsrat

Allgemeine Zeitung (19.8.1878)

Verschiedenes.

München, 14 Aug. Gestern Abend starb, 76 Jahre alt, der als Numismatiker in den weitesten fachwissenschaftlichen Kreisen bekannte Hr. Johann Peter Beierlein. Früher ein geachteter Weinwirtb, gab er schon vor Jahren sein Geschäft auf, um, unterstützt durch ein bedeutendes Vermögen, ganz seinem Lieblingsfache zu leben. Obwohl hierin universell gebildet, blieb seine Specialforschung doch den baiwarischen Münzen und Medaillen zugewendet. In diesem Gebiet erfreute er sich einer allgemein anerkannten Autoritär. Seine Forschungen legte er in der Zeitschrift des historischen Vereins von Oberbayern nieder, allwo er als eines der ältesten Mitglieder die Ehrenstelle eines Ausschuß-Mitgliedes und Conservators bekleidete. Außer der immerhin sehr bedeutenden und durch seine Fürsorge und eigene Geschenke beträchtlich erweiterten numismatischen Sammlung gehörte zu seinem Ressort auch die Ordnung aller Handzeichnungen, Kupferstiche und Porträte. Der Katalog der letztgenannten war seine jüngste eben druckvollendete Leistung. Von seinen früheren Arbeiten erwähnen wir hoer die biographischen Ehrengedächtnisse: »Nachrichten über den oberbayer. Hofmedailleur Franz Andreas Schego« (1847), und die Erinnerungen an den bekannten Fachgenossen, Schriftsteller und Sammler »Karl August v. Schultheß-Rechberg« (1868). Außer den »Regesten ungedruckter Urkunden, Stadtbürger von München betreffend« (1850), enthält das oberbayerische Archiv noch die Abhandlungen über »Medaillen auf ausgezeichnete und »berühmte Bayern« (X. Band. 2. Heft, 1851), dann über »Münzen bayerischer Kiöster und Wallfahrtsorte« (XXVII, Band, 1857), und sein Hauptwerk: »Die bayerischen Münzen des Hauses Wittelsbach« (von 1180 – 1550) 1868, mit 9 Tafeln. – Se. Majestät König Ludwig II. ehrte diesen unermüdlichen Forscher durch Verleihung des Ritterkreuzes vom Verdienstorden des hl. Michael. Beierlein war eine selbstlose, stille und höchst bescheidene Natur, das Prototyp eines Autodidakten und Gelehrten, der in neidenswerther Schüchternheit selbst hinter den Gränzen der Anspruchslosigkeit zurückblieb. Welch Capital hätte eine anders angelegte Natur aus seinem reichen und liefen Wissen zu schlagen gewußt!

Allgemeine Zeitung Nr. 231. Augsburg; Montag, den 19. August 1878.

Bayerischer Kurier (20.8.1878)

Lokales und Provinielles.

Vergangenen Freitag schloß sich das Grab über einem Mann, dessen Name in weitesten Kreisen über Bayern und Deutschland hinaus einen guten Klang hatte. Herr Privatier Johann Peter Beierlein wurde am 21. Dez. 1802 als Sohn des dortigen Weinwirthes Joh. P. Beierlein geboren, siedelte 1833 mit seinem Vater nach München über und betrieb hier wie in seiner Vaterstadt ein im besten Rufe stehendes Weingeschäft, das er i. J. 1860 aufgab. Schon von Jugend auf beschäftigte er sich mit der Münzkunde, legte sich eine Münzsammlung an, welche bei seinem Eifer und Glücke, mit welchem er sammelte, einen stattlichen Umfang einnimmt. Vorzüglich bayerische Münzen und Medaillen sind es, welchen er seine besondere Aufmerksamkeit zuwandte, wobei er aber das ganze Gebiet der Numismatik nie aus dem Auge verlor. Der historische Verein von Oberbayern, welchem er bald nach seiner Gründung als Mitglied beitrat, stellte diese tüchtige Kraft bald an den richtigen Ort, wählte ihn in seinen Ausschuß und machte ihn zum Conservator seiner Münz-, Kupferstich-, Handzeichnungen- und Gemäldesammlung. Welche ersprießliche Wirksamkeit er hier entwickelte, davon geben die lange Reihe der Jahresberichte des Vereines genügend Zeugniß. Beierlein bereicherte aber auch das oberbayerische Archiv mit einer stattlichen Zahl von Abhandlungen, welche die werthvollsten Beiträge zur bayerischen Münzkunde liefern. Erwähnt seien hier seine »Medaillen auf ausgezeichnete und berühmte Bayern mit biographisch-historischen Notizen« in 5 Lieferungen, welche eine Fülle von Material für die bayerische Gelehrten- uitd Künstlergeschichte bieten, sowie seine »Münzen bayerischer Klöster, Kirchen, Wallfahrtsorte und anderer geistlichen Institute« in 2 Lieferungen. Beierlein's vorzüglichste, weithin bekannte und geschätzteste Arbeit ist aber die im 29. Bande des oberbayerischen Archives enthaltene Abhandlung »die bayerischen Münzen des Hauses Wittelsbach, von dem Ende des 12. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts« mit 9 Tafeln Abbildungen, welche von der Hand des Verfassers gezeichnet, bleibenden künstlerischen Werth haben. Der historische Verein, welcher die unschätzbaren Verdienste des Mannes stets dankbar anerkannte, feierte Beierlein's 70. Geburtstag im Jahre 1872 gleichzeitig mit dem seines Altersgenossen, des um den Verein so hochverdienten Hrn. Hofrathes Föringer, durch Ueberreichung von Ehrendiplomen, auf welchen die Verdienste der beiden Männer, von Hrn. Geh.-Sekretär Knuffert kalligraphisch vorzüglich ausgestattet, hervorgehoben sind. Im vorigen Jahre ehrte Sr. Majestät der König den anspruchslosen und bei seinem reichen numismatischen Wissen so bescheidenen Mann durch Verleihung des Ritterkreuzes vom hl. Michael. – Have pia anima!

Bayerischer Kurier No 231. München; Dienstag, den 20. August 1878.

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (24.8.1878)

Es ist eine Stammeseigenthümlichkeit des bayerischen Volkes, daß seine geistig begabten Männer nicht selten in fast ostensibler Weise ihr Wissen und Wirken der Oeffentlichkeit entziehen, eine Bescheidenheit, die namentlich in unserer Zeit fast bedauerlich erscheinen muß.

Wir begleiteten vor einigen Tagen einen Mann zur letzten Ruhestätte, der es, nachdem sein Leben in jeder Beziehung ein Bild der schlichtesten Einfachheit geboten, recht wohl verdient, daß wenigstens die Erinnerung an ihn einigermaßen wachgehalten werde. Der Privatier (so nannte ihn die Todesanzeige) J. B. Beierlein dahier hatte sich von früher Jugend auf einen wahren Schatz von gediegenen Kenntnissen angeeignet, und so wie er selbst dem engeren Vaterlande mit Leib und Seele angehörte, so sollten auch seine Erfahrungen demselben nützlich gemacht werden, und es ist ihm dies in ausgiebigstem Maße gelungen. Das bis dahin ziemlich spärlich ausgebeutete Feld der bayerischen und pfälzischen Münzkunde war zunächst der Gegenstand seiner eifrigsten wissenschaftlichen Pflege. Mit einem wahren Bienenfleiße sammelte Beierlein das Material zur genaueren Kenntniß der bayerischen Numismatik. In einer Reihe von Monographien, wie sie ähnlich nur wenige Länder besitzen und die vollständig der modernen und streng rationellen Richtung dieser unentbehrlichen historischen Hilfswissenschaft angehören, hat er den mitunter spröden Stoff mit wahrer Meisterschaft bewältigt und eine Fundgrube unbekannter oder doch unbeachteter Gegenstände aufgeschlossen. Schmerzlich müssen wir gestehen, daß Beierlein im Auslande früher gekannt und gewürdigt war, ehe man ihm auch bei uns das richtige Verständniß entgegenbrachte, und es war erst Sr. Majestät dem jetzigen Könige Ludwig vorbehalten, dem braven verdienstvollen Manne auch ein Zeichen königlichen Wohlwollens und äußerer Anerkennung zu Theil werden zu lassen. Der historische Verein von Oberbayern verliert an Beierlein einer seiner ältesten hochverdienten Mitglieder, denn er war unermüdlich in dem Bestreben, dem Vereine sich nützlich zu machen und für denselben zu arbeiten.

Wer das Glück hatte, dem liebenswürdigen, allezeit heiteren Greise im Leben näher zu treten, der mußte nicht selten staunen, welch' riesiges Gedächtniß, welcher Reichthum von Erfahrungen und Erinnerungen, welch' umfangreiche Kenntnisse sein Eigen waren, wie gerne er dem wirklich Wißbegierigen gegenüber sich mittheilsam zeigte, und alles dies in einer Weise, als ob er der Lernende und nicht der Meister wäre. Möge es einer geschickteren Feder vorbehalten bleiben, eine ausführliche Biographie des Verblichenen zu bringen.

Sein Nachlaß birgt eine Sammlung auserlesener bayerischer Münzen und Medaillen und eine Reihe werthvoller eigenhändiger Aufzeichnungen, die hoffentlich nicht in die Fremde wandern werden. Das reiche Münzkabinet des bayerischen Staates ist leider ohnehin seinem hohen Werthe und Bedeutung nach fast noch eine terra incognita.

Obgleich er den Studien mit Erfolg obgelegen, hatte sich Beierlein dennoch einem bürgerlichen Berufe zugewendet; bis wenige Wochen vor seinem Lebensende hatte er sich geistiger und körperlicher Rüstigkeit zu erfreuen.

Wie seine ganze Laufbahn, war auch Beierlein's Familienleben ein Bild aus alter guter Münchener Zeit, herzlich und einfach. An seinem Grabe trauern eine würdige treue Gattin und drei wackere Kinder. Möge dem Edlen die Erde leicht sein!

Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik Nr. 236. München; Samstag, den 24. August 1878.

Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Beierlein Johann Peter, 1802 (Landshut/Ndb.) – 1878, Numismatiker und Weinhändler, Sohn eines Landshuter Weinhändlers und Magistratsrates, machte B. dort seine humanistische Ausbildung bei dem späteren Anatomieprofessor Martin Münz; bei seiner kaufmännischen Lehrzeit in München beschäftigte er sich nebenbei mit bayerischer Geschichte und die Bekanntschaft mit dem Universitätsbibliothekar M. Harter und dem Johanniterordenskanzler F. Woschitka erweckte in dem jungen Mann die Freude an der Münzforschung; in seiner Freizeit arbeitete B. über die bayerische Münzgeschichte und vermehrte seine eigene Münzsammlung; er gilt als kenntnisreicher Numismatiker.

Hauptwerke: Nachrichten über Franz Andreas Schega, churbair. Hofmedailleur, Regesten ungedruckter Urkunden, München betr., Medaillen auf berühmte Bayern, Die bayerischen Münzen des Hauses Wittelsbach von dem Ende des 12. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts 1180–1550, Münzen bayerischer Klöster, Kirchen usw., Die Medaillen und Münzen des Gesamthauses Wittelsbach, unvollendetes Manuskript (war als Festgabe zum 700jährigen Wittelsbacher Jubiläum – 1880 – gedacht).

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.



© Reiner Kaltenegger · Gräber des Alten Südfriedhofs München · 2007-2026


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